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Febr.

Erfurt bekommt wieder eine Willi Münzenberg Gedenktafel

Gerne dokumentieren wir hier eine Pressemitteilung des neu gegründeten “Freundeskreis Willi Münzenberg”:

“Der Freundeskreis Willi Münzenberg hat sich in Erfurt gegründet. Er hat sich zum Ziel gemacht, Willi Münzenberg wieder ins Bewusstsein der Stadt zu rücken.

Willi Münzenberg – ein Sohn Erfurts. Er wurde am 14. August 1889 in Erfurt geboren. Von 1906 bis 1909 arbeitete er  in der Erfurter Schuhfabrik Lingel. In dieser Zeit begann sein Engagement im SPD-nahen Arbeiterbildungsverein “Propaganda”. Er  schloss sich 1918 der Spartakusgruppe an und wurde 1919 Mitglied der KPD und Vorsitzender der Kommunistischen Jugendinternationale. Beim Ausbruch einer Hungerkatastrophe im Wolgagebiet gründete er 1921 die Internationale Arbeiterhilfe (IAH). Von 1924 bis 1933 war er Mitglied des Zentralkomitees der KPD und Reichstagsabgeordneter.

Für Willi Münzenberg stand die Bildungsarbeit im Vordergrund. Er war mit seinem Kosmos-Verlag der zweitgrößte Medienunternehmer im Deutschland der20er Jahre.  1921 gründete er die Illustrierte “Sowjetrussland im Bild” (ab 1926 unter dem Namen “Arbeiter-Illustrierte-Zeitung”/AIZ) und initiierte die Aufführung des Films “Panzerkreuzer Potemkin”. 1928 gründete er gemeinsam mit Heinrich Zille die Satirezeitschrift “Eulenspiegel”. Er veröffentlichte von 1933 bis 1937 im Pariser Exil etwa 50 deutschsprachige Publikationen, z.B. das Braunbuch über den Reichstagsbrand. 

Im September 1935 plädierte Münzenberg in Paris auf der Zusammenkunft deutscher Oppositioneller zur Vorbereitung der deutschen “Volksfront” für ein Bündnis aller Hitler-Gegner, ungeachtet ihrer weltanschaulichen und politischen Gegensätze. 1938 wurde Münzenberg wegen seiner Kritik an Stalin aus dem ZK der KPD ausgeschlossen und aller Funktionen enthoben. 1940 wurde er unter ungeklärten Umständen erhängt in einem Wald bei Saint-Marcellin in Frankreich aufgefunden.

Nichts erinnert in Erfurt an ihn. Kein Platz, keine Straße wurde nach ihm benannt.  Es gibt weder eine Willi Münzenberg-Stiftung noch regional-historische Publikationen über sein Leben.
Mit einer Ausnahme. An der Stelle seines, Mitte der 1980er Jahre abgerissenen, Geburtshauses, Augustiner Straße/ Ecke  Am Hügel, wurde am 10. März 1999 an einem DDR-Neubau in einer eindrucksvollen Feierstunde eine Gedenktafel für Willi Münzenberg enthüllt. Der Text der Tafel lautete: „Hier stand das Geburtshaus von Willi Münzenberg, 1889 – 1940, Publizist im Widerstand gegen Hitler und Stalin“.
Zur Einweihung sprachen der Beigeordnete für Kultur der Stadt Erfurt, Joachim Kaiser, der stellvertretende Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks, Professor Michel Cullin, sowie der Historiker Professor Siegfried Wolf vom Europäischen Kulturzentrum in Thüringen.

Anfang 2011 wurde das Haus saniert und an der Stelle der Gedenktafel  ein Fenster eingebaut. Die Gedenktafel wurde bei den Bauarbeiten vom Eigentümer I.W.E.S.  abgenommen. Das war der Anlass zur Gründung des Freundeskreis Willi Münzenberg. Er möchte den Sohn Erfurts, wieder einen Platz in der Stadt schaffen. Den Anfang machten die Bemühungen um die Wiederanbringung der Gedenktafel. Es sind Veranstaltungen geplant zum Leben und Wirken Willi Münzenbergs und seiner Aktualität für heutige Zeiten. Es wird über einen  „Willi Münzenberg Medienpreis“ nachgedacht. Dieser soll einmal im Jahr für Beiträge des kritischen Journalismus in Thüringen verliehen werden. 

Ein erster Erfolg ist zu verbuchen. Die Gedenktafel wird nach Aktivitäten des Freundeskreises Mitte nächster Woche wieder an dem Gebäude angebracht. Unterstützung dafür gab es auch durch den Geschichtsverein Erfurt. Es zeigt sich, Willi Münzenberg findet wieder neue Anhänger in Erfurt.”